Heimatkunde -Geschichtliches aus Hohenwart und der Region

20.04.2020

Geschichte, Bräuche und Vergangenes

Aus der Chronik von Benef. Haas: Die Bürgerstube um das Jahr 1920!

In der Hergottsecke hängt das geschnitzte Christusbild, um das sich am frühen Morgen, vor dem Gang zur Arbeit, mittags und in stiller Abendstunde gewissenhaft das ganze Haus, versammelt. Die Wände schmücken Bilder der Heiligen, des Vaters in stolzem Waffenrock, der Familie u.a. Die Fenstergesims zieren Blumen, oft in reizender Pracht, verschiedener Art. Einfache Möbel, Tisch, Bänke, Stühle, lederüberzogenes Kanapee oder ganz hölzernes geben der Stuben einen gemütlich heimischen Ton. Die Möbel stammen teilweise noch aus Urgroßvaters Zeit, und erfreuen sich höchster Wertschätzung. Viele alte Erbstücke wie silberne Miederketten und Haarnadeln, edle Rosenkränze, Großvaters Weste mit den prächtigen Silbergeldknöpfen, alte Broschen, zinnerne Krüge und Teller aber auch die silberbeschlagene Pfeiffe, werden in Ehren gehalten und kommen nicht für viel Geld aus dem Haus. In oder auf dem Schranke befindet sich die Hausbibliothek, klein, aber durch ihre Gediegenheit, immerhin groß genug. Da stehen auch Vaters Geschäftsbücher, der unentbehrliche Kalender, die Heiligenlegende, Gebets- und Erbauungsbücher für Groß- und Klein, das Kneipp-Buch und Erzählungen fürs Volk sowie die Zeitungen. In manchen Stuben findet man auch eine Familienchronik. Die Geschichte vermittelt Ahnenstolz und Ahnentüchtigkeit und eifert an, einen weiteren Stock auf das stolze Gebäude zu setzen, damit auch künftige Generationen gerühmt werden von Enkeln und Urenkeln.



heute vor 100 jahren

Werdegang des Hohenwarter Landschaftsbildes

IM TERTIÄR
Vor etwa 15 Millionen Jahren erfüllten große Süßwasserseen bis zur Fränkischen Alb hinauf unsere Landschaft.
In ihnen setzten sich kalkhaltige Tone ab. Flüsse zogen von den Alpen in das Vorland und füllten die Seen mit Kies und Schotter auf. Die ausklingende Tertiärzeit ist für Hohenwart wichtig, da, durch das allgmeinene Heben des Landes, sich die gefällestärksten Gewässer tiefer in den Untergrund einschitten und damit das heute zu sehende Landschaftsbild prägten. Die Flüsse räumten die weichen Flinzsande hinweg und der Hartschotter, welcher die heutigen Höhenzüge bildet, blieb erhalten.


DIE GLETSCHERZEIT
Während des Eiszeitgeschehens gehörte unsere Landschaft der Kältewüste oder Tundra an. Die Gletscher des Alpenvorlandes reichten zwar nicht ganz bis in unsere Gegend, jedoch häuften die Alpenwinde, aus den Feinschüttungen der Paar und aus Flinzsand, Dünen bis zu 10 Meter Höhe auf. Zudem trugen die Gletscherwinde auch kalkhaltigen Feinstaub (Löß) herbei und legten diesen in Talfurchen ab. Während der folgenden feuchtwarmen Zwischenperiode veränderte sich der mehlige Löß, durch das Auswaschen des Kalkgehaltes, zu bindigem Lehm. Nach der Schneeschmelze floß der Lehm breiartig immer mehr in den Grund der Talfurchen (zu sehen sind die Fließlehme z.B. in Koppenbach). Auf den Höhen verblieben ausgestrichene Flinzsande und Quarzkissen.

Der folgende Talquerschnitt ist das etappenweise herausgebildete Werk langanhaltender Kaltzeiten.

geologischer aufbau hohenwarts

HAIDFORST
Die sterilen Dünensande sind ausgezeichnete Standorte für Föhren mit natürlicher Verjüngung. Neben der Föhre sind zudem die Fichte und Buche zahlreich vertreten. Ein zeichen für die Magerkeit des Bodens sind das Weißmoos, die Heidelbeere und die Besenheide.

ACKERLAND
Die Fläche zwischen den Sandhügeln und den Paarwiesen ist eine ideale Ackerfläche.
Der alte und mit feinem Lehm durdchsetzteTertiärsand ist ein idealer Nährboden für Getreide, Hackfrüchte und natürlich den Spargelanbau.
auf dem fruchtbaren Lehmboden kann Hopfen angebaut werden.

PAARWIESEN
Der Anstau des Flusses und die seitlich herzuströmenden Grundwasser erzeugten große Feuchtgebiete. Die Feuchtwiesen sorgten für ein üppiges Wachstum allen pflanzlichen Lebens. Die buntwechselnden Gehölzer und Altwasser längs der Paar sind eine ebenfall in sich bildhaft geschlossene Einheit.

Quelle: J.Kriesch (Landkreisbuch Schrobenhausen 1963)



Römer im Paartal?

"Schon vor Christus erbauten die Römer auf dem Berge eine Burg. Dieses Kastell wurde später nach Christus von den Langobarden abgerissen und abgetragen. Die hohe Warte leitet ihren Namen von "Alta Specula" ab. Ein Name, mit dem die Römer errichtete Signaltürme und Warten an beherrschenden Punkten, Pässen und Flußübergquerungen zum beschleunigten Nachrichtendienst bezeichneten. Ein solcher dürfte der ganzen Lage nach unstreitig auf dem Berge gestanden sein".
So aus dem Hohenwarter Heimatbuch von B. Haas 1924.
Es wird auch mit Bestimmtheit angenommen, dass durch das Paartal eine Römerstraße führte, welche die beiden bedeutenden römischen Städte Augsburg und Regensburg miteinander verband.
Bisher konnte ein Beweis für einen römischen Wachturm, ein Kastell oder für eine Römerstraße noch nicht angetreten werden.
Ernstzunehmende Wissenschaftler wie Prof. Wagner 1924 und Dr. Keller 1979 wiesen jede Annahme, daß sich am Berg oder im Paartal ein Wachturm und eine Römerstraße befanden, energisch zurück. Es fehlen eben jegliche Gerätefunde , Mauerreste und schriftliche Überlieferungen. Ob der heutige Turm unserer Pfarrkirche auf den Resten des römischen Wachturms erbaut wurde, kann somit nur vermutet werden.

Viele weiterere Hinweise, in und um Hohenwart, bestärken jedoch die Vermutung von Römern im Paartal:

  • Römische Legionäre errichteten ihr Lager gerne in der Nähe von Schwefelquellen, um ihr Rheuma zu lindern. Die einstmaligen Schwefelquellen in Schenkenau könnten somit als weiterer Hinweis für Römer im Paartal dienen. Leider versiegten diese im 18 Jhdt. vollständig.
  • Ein großer Erdwall im Wald zwischen Gröbern und Brunnen soll eine Römerschanze gewesen sein.
  • Die großen Funde der Ausgrabungen des römischen Kastells in Oberstimm.



römerkastell

Die Grafenburg zu Hohenwart

Hohenwart war, wie schon sein Name sagt, eine für überörtliche Bedürfnisse erbaute Burganlage. Ein schwerer Turm (besonders dessen untere Teile) geht wohl bis auf die Zeiten der Völkerwanderung zurück. Er hatte die stets gefährdete Westgrenze des bajuwarischen Landes, und damit die Heimat an der Paar, zu schützen.
Beim Einmarsch des Karolingers Karl Martell im Jahre 725 fiel Hohenwart in die Hand des Siegers, der es an seine Getreuen weitergab. Hohenwart wurde nun Sitz eines Rapotonenzweiges. Erste Aufgabe für die neuen "Herren von Hohenwart!" war es von nun ab die Interessen der Karolinger wahrzunehmen und nicht mehr nur die Landesverteidigung. Sie heirateten Töchter bajuwarischer Edelsgeschlechter, und nach etwa zwei Generationen war die landsmännische Zusammensetzung der "Herren auf Hohenwart" nicht mehr feststellbar. Die Rapotonen, nunmehr an der Paar verwurzelt, konnten manche politische Spitzenposition besetzen, wie den Schutz der Alpenübergänge und der stets exponierten Ostlande.
Nach der Jahrtausendwende, als unsere Hohenwarter Rapotonen in kaiserliche Ungnade fielen und für dauernd ihre Mandate verloren, wurde es um Hohenwart stiller.
Nach 1074 konnte die letzte Gräfin, Wiltrudis, ihr kleines bescheiden ausgestattetes Benediktinerkloster auf der verfallenen Burg errichten. Die Laienäbtissin war dabei auf Hilfe ihres Bruders Ortloff und ihrer Andechser Verwandschaft angewiesen.

Quelle: D'Hopfakirm Nr.: 9 - Hans Purchart


Ritterburg
 
 

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