Heimatkunde -Geschichtliches aus Hohenwart und der Region

18.08.2020

Geschichte, Bräuche und Vergangenes

Aus der Chronik von Benef. Haas: Die Bürgerstube um das Jahr 1920!

In der Hergottsecke hängt das geschnitzte Christusbild, um das sich am frühen Morgen, vor dem Gang zur Arbeit, mittags und in stiller Abendstunde gewissenhaft das ganze Haus, versammelt. Die Wände schmücken Bilder der Heiligen, des Vaters in stolzem Waffenrock, der Familie u.a. Die Fenstergesims zieren Blumen, oft in reizender Pracht, verschiedener Art. Einfache Möbel, Tisch, Bänke, Stühle, lederüberzogenes Kanapee oder ganz hölzernes geben der Stuben einen gemütlich heimischen Ton. Die Möbel stammen teilweise noch aus Urgroßvaters Zeit, und erfreuen sich höchster Wertschätzung. Viele alte Erbstücke wie silberne Miederketten und Haarnadeln, edle Rosenkränze, Großvaters Weste mit den prächtigen Silbergeldknöpfen, alte Broschen, zinnerne Krüge und Teller aber auch die silberbeschlagene Pfeiffe, werden in Ehren gehalten und kommen nicht für viel Geld aus dem Haus. In oder auf dem Schranke befindet sich die Hausbibliothek, klein, aber durch ihre Gediegenheit, immerhin groß genug. Da stehen auch Vaters Geschäftsbücher, der unentbehrliche Kalender, die Heiligenlegende, Gebets- und Erbauungsbücher für Groß- und Klein, das Kneipp-Buch und Erzählungen fürs Volk sowie die Zeitungen. In manchen Stuben findet man auch eine Familienchronik. Die Geschichte vermittelt Ahnenstolz und Ahnentüchtigkeit und eifert an, einen weiteren Stock auf das stolze Gebäude zu setzen, damit auch künftige Generationen gerühmt werden von Enkeln und Urenkeln.



heute vor 100 jahren

Werdegang des Hohenwarter Landschaftsbildes

IM TERTIÄR
Vor etwa 15 Millionen Jahren erfüllten große Süßwasserseen bis zur Fränkischen Alb hinauf unsere Landschaft.
In ihnen setzten sich kalkhaltige Tone ab. Flüsse zogen von den Alpen in das Vorland und füllten die Seen mit Kies und Schotter auf. Die ausklingende Tertiärzeit ist für Hohenwart wichtig, da, durch das allgmeinene Heben des Landes, sich die gefällestärksten Gewässer tiefer in den Untergrund einschitten und damit das heute zu sehende Landschaftsbild prägten. Die Flüsse räumten die weichen Flinzsande hinweg und der Hartschotter, welcher die heutigen Höhenzüge bildet, blieb erhalten.


DIE GLETSCHERZEIT
Während des Eiszeitgeschehens gehörte unsere Landschaft der Kältewüste oder Tundra an. Die Gletscher des Alpenvorlandes reichten zwar nicht ganz bis in unsere Gegend, jedoch häuften die Alpenwinde, aus den Feinschüttungen der Paar und aus Flinzsand, Dünen bis zu 10 Meter Höhe auf. Zudem trugen die Gletscherwinde auch kalkhaltigen Feinstaub (Löß) herbei und legten diesen in Talfurchen ab. Während der folgenden feuchtwarmen Zwischenperiode veränderte sich der mehlige Löß, durch das Auswaschen des Kalkgehaltes, zu bindigem Lehm. Nach der Schneeschmelze floß der Lehm breiartig immer mehr in den Grund der Talfurchen (zu sehen sind die Fließlehme z.B. in Koppenbach). Auf den Höhen verblieben ausgestrichene Flinzsande und Quarzkissen.

Der folgende Talquerschnitt ist das etappenweise herausgebildete Werk langanhaltender Kaltzeiten.

geologischer aufbau hohenwarts

HAIDFORST
Die sterilen Dünensande sind ausgezeichnete Standorte für Föhren mit natürlicher Verjüngung. Neben der Föhre sind zudem die Fichte und Buche zahlreich vertreten. Ein zeichen für die Magerkeit des Bodens sind das Weißmoos, die Heidelbeere und die Besenheide.

ACKERLAND
Die Fläche zwischen den Sandhügeln und den Paarwiesen ist eine ideale Ackerfläche.
Der alte und mit feinem Lehm durdchsetzteTertiärsand ist ein idealer Nährboden für Getreide, Hackfrüchte und natürlich den Spargelanbau.
auf dem fruchtbaren Lehmboden kann Hopfen angebaut werden.

PAARWIESEN
Der Anstau des Flusses und die seitlich herzuströmenden Grundwasser erzeugten große Feuchtgebiete. Die Feuchtwiesen sorgten für ein üppiges Wachstum allen pflanzlichen Lebens. Die buntwechselnden Gehölzer und Altwasser längs der Paar sind eine ebenfall in sich bildhaft geschlossene Einheit.

Quelle: J.Kriesch (Landkreisbuch Schrobenhausen 1963)




Römer im Paartal?

"Schon vor Christus erbauten die Römer auf dem Berge eine Burg. Dieses Kastell wurde später nach Christus von den Langobarden abgerissen und abgetragen. Die hohe Warte leitet ihren Namen von "Alta Specula" ab. Ein Name, mit dem die Römer errichtete Signaltürme und Warten an beherrschenden Punkten, Pässen und Flußübergquerungen zum beschleunigten Nachrichtendienst bezeichneten. Ein solcher dürfte der ganzen Lage nach unstreitig auf dem Berge gestanden sein".
So aus dem Hohenwarter Heimatbuch von B. Haas 1924.
Es wird auch mit Bestimmtheit angenommen, dass durch das Paartal eine Römerstraße führte, welche die beiden bedeutenden römischen Städte Augsburg und Regensburg miteinander verband.
Bisher konnte ein Beweis für einen römischen Wachturm, ein Kastell oder für eine Römerstraße noch nicht angetreten werden.
Ernstzunehmende Wissenschaftler wie Prof. Wagner 1924 und Dr. Keller 1979 wiesen jede Annahme, daß sich am Berg oder im Paartal ein Wachturm und eine Römerstraße befanden, energisch zurück. Es fehlen eben jegliche Gerätefunde , Mauerreste und schriftliche Überlieferungen. Ob der heutige Turm unserer Pfarrkirche auf den Resten des römischen Wachturms erbaut wurde, kann somit nur vermutet werden.

Viele weiterere Hinweise, in und um Hohenwart, bestärken jedoch die Vermutung von Römern im Paartal:

  • Römische Legionäre errichteten ihr Lager gerne in der Nähe von Schwefelquellen, um ihr Rheuma zu lindern. Die einstmaligen Schwefelquellen in Schenkenau könnten somit als weiterer Hinweis für Römer im Paartal dienen. Leider versiegten diese im 18 Jhdt. vollständig.
  • Ein großer Erdwall im Wald zwischen Gröbern und Brunnen soll eine Römerschanze gewesen sein.
  • Die großen Funde der Ausgrabungen des römischen Kastells in Oberstimm.



römerkastell

Die Grafenburg zu Hohenwart

Hohenwart war, wie schon sein Name sagt, eine für überörtliche Bedürfnisse erbaute Burganlage. Ein schwerer Turm (besonders dessen untere Teile) geht wohl bis auf die Zeiten der Völkerwanderung zurück. Er hatte die stets gefährdete Westgrenze des bajuwarischen Landes, und damit die Heimat an der Paar, zu schützen.
Beim Einmarsch des Karolingers Karl Martell im Jahre 725 fiel Hohenwart in die Hand des Siegers, der es an seine Getreuen weitergab. Hohenwart wurde nun Sitz eines Rapotonenzweiges. Erste Aufgabe für die neuen "Herren von Hohenwart!" war es von nun ab die Interessen der Karolinger wahrzunehmen und nicht mehr nur die Landesverteidigung. Sie heirateten Töchter bajuwarischer Edelsgeschlechter, und nach etwa zwei Generationen war die landsmännische Zusammensetzung der "Herren auf Hohenwart" nicht mehr feststellbar. Die Rapotonen, nunmehr an der Paar verwurzelt, konnten manche politische Spitzenposition besetzen, wie den Schutz der Alpenübergänge und der stets exponierten Ostlande.
Nach der Jahrtausendwende, als unsere Hohenwarter Rapotonen in kaiserliche Ungnade fielen und für dauernd ihre Mandate verloren, wurde es um Hohenwart stiller.
Nach 1074 konnte die letzte Gräfin, Wiltrudis, ihr kleines bescheiden ausgestattetes Benediktinerkloster auf der verfallenen Burg errichten. Die Laienäbtissin war dabei auf Hilfe ihres Bruders Ortloff und ihrer Andechser Verwandschaft angewiesen.

Quelle: D'Hopfakirm Nr.: 9 - Hans Purchart


Ritterburg

Gründung des Benediktinerinnen Klosters Hohenwart

Ortolf und Wiltrudis


Auf der Hohenwarter Burg lebte im 11. Jahrhundert Graf Rabotho mit seiner Gemahlin Hemma, einer Markgräfin aus Österreich. Das erlauchte Grafenpaar hatte drei Kinder. Die Söhne Norbert und Ortolf, sowie die Tochter Wiltrudis. Früh trat Norbert in den geistlichen Stand ein, und brachte es auch zu hohen Ehren. Kaum Domprobst in Augsburg geworden, wurde er als Bischof nach Chur/Schweiz berufen.

Ortolf hingegen strebte keine geistliche Laufbahn an und ließ sich als Ritter ausbilden. Er wollte den Ruhm und Glanz der alten Tauern mehren, und wie sein Vater ein streitbarer "Recke" zur Ehre Gottes werden.

Durch eine vorteilhafte Ehe sollte dazu auch seine Schwester Wiltrudis beitragen. Diese war jedoch zu einer "Zwangsheirat" nicht zu bewegen.

So teilte sie ihrem Bruder mit, sie hätte sich zu einem Leben als Ordensschwester entschlossen, und bitte ihn das Burg- und Stammhaus Hohenwart in ein Kloster umwandeln zu lassen. Ortolf sah seine Pläne dadurch zunichte gemacht, reagierte abweisend und ignorierte schließlich den Wunsch seiner Schwester.

Wie viele Ritter seiner Zeit, zog es Ortlof zu einem Kreuzzug ins hl. Land. In vielen Schlachten den Schrecken des Krieges ausgesetzt, und tagtäglich mit Tod und Gefahr konfrontiert, gedachte er des Wunsches von Wiltrudis und gelobte, so Gott ihn heil wieder die Heimat sehen lasse, würde er der Schwester ihren Wunsch erfüllen. Glücklich kehrte er nach Jahren zurück, und erfüllte sein Gelübde.

Auf einer von ihm ausgestellten Urkunde stand zu lesen:

Ortlofus, Graf von Thauern baut und stiftet das Lobliche Jungfrauenkloster Hohenwart nach dem Orden von S. Benedikt für acht Klosterjungfrauen. Dem zur ersten Äbtissin ist vorgestellt worden: Wiltrudis Gräfin von Thauern, sein Fräulein Schwester.


Die 1. Klosterkirche wurde Anno 1074 geweiht


Nachdem das Kloster und die Kirche aufgebaut waren, ließ Ortlof selbiges Gotteshaus zu Ehren der Himmelskönigin und Gottesmutter Maria, den Heiligen Petrus und Paulus, sowie dem Großen Ritter, Märtyrer und heiligen Georg einweihen. Die Kirchweih fand im Jahre 1074 in der Herrschaftszeit von Kaiser Heinrich IV (genannt der Schwarze) statt. Geweiht wurde die Kirche vom damaligen Augsburger Bischof Imbricon(geb. Graf von Leiningen). Neben der Hofmark Hohenwart stiftete Ortlof noch mehrere weitere Güter. So konnte Äbtissin Wiltrudis den Unterhalt des Klosters aus weiteren Gütern bestreiten. Unter diesen Gütern waren mehrere Mühlen und eine Zollstation in Schrobenhausen, Weinberge in Kehlheim, aber auch eine Tauern Burg und landwirtschafliche Ländereien im Inntal im entfernten Tirol.

Wiltrudis stand dem Kloster nur kurze Zeit vor. Bereits am 02.Juli 1081 verstarb die erste Äbtissin von Kloster Hohenwart. Ihr Bruder Ortlof zog nochmals ins hl. Land und focht erfolgreich unter Gottfried von Buillion bei der Erstürmung Jerusalems am 15. Juli 1099. Hatte er in zahlreichen Schlachten dem Tod getrotzt, verliess ihn nun das Glück. Während der Heimfahrt erkrankte er an der sich ausbreitenden Pest, und verstarb an dieser am 22. Juli 1100. Seinem letzen willen gemäß, brachte man seine Gebeine zurück nach Hohenwart, um ihn in der alten Peterskapelle neben seiner Schwester zu bestatten.

Der erste Hohenwarter Klosterkomplex stand bis zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Durch eine wilde Feuersbrunst wurden sowohl Gotteshaus wie auch Kloster zerstört.

Beschreibung der Kirche nach einem Text des Stiftungsgemäldes:
Die Kirche selbst war ein herrlicher Bau, mit einer dreischiffigen romanischen Basilika.
(Quelle: Auszug aus "Hohenwart" von M.B.Haas, Benefiziat und Bezirkskämmerer zu Hohenwart von 1924)

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Der selige Wolfoldus


Am 31. Januar 1100 starb in Hohenwart der selige Wolfoldus. Sein Heiligenfest wurde auf den 01. Februar festgesetzt. Zur Zeit der Klostergründung und Kirchweihe im Jahr 1074 war Wolfoldus Hohenwarts erster Geistlicher.

Seine Tugend und Frömmigkeit waren derart vorbildlich, dass dadurch schon zu Lebzeiten von ihm Legenden entstanden. So berichtet eine Überlieferung, dass sich täglich vor der Mitternachtsmesse das schwere Portal der Kirche geöffnet habe, während der Geistliche noch den steilen Fußweg von Hohenwart zum Klosterberg hinaufgestiegen sei.

Aus dem Tale der Paar allnächtlich eilte Wolfoldus betend zum Kloster empor, Engel öffneten das Tor; Dort noch zu Hohenwart ruhet sein Leib!


Wolfoldus wird als Nothelfer und Fürbitter bei Nierenleiden angerufen. Mehrere Fälle belegen eindrucksvoll die Hilfe des Hohenwarter Geistlichen. Im Jahr 1520 zeigte eine Frau aus Amberg an, dass keine Medizin und keine Arznei ihre starken Nierenschmerzen lindern konnten.

Gebete und Wachsopfer zum seligen Wolfoldus jedoch befreiten sie schnell von ihren Leibschmerzen.

Von einer weiteren wunderbaren Heilung berichten die Chroniken. So wurde der langjährige Hohenwarter Schulmeister Christoph Boquicius erwähnt, der zwei ganze Tage und Nächte voller Schmerzen darniedergelegen hatte. Sein "erbärmliches" Geschrei war in ganz Hohenwart zu hören und weder Arzt noch Bader konnten helfen. Als nichts mehr zu helfen schien, versuchten es die Angehörigen mit Kerzenstiftungen und Fürbitten. Und nur kurze Zeit später gingen die Steine ab und der Patient war wieder kerngesund.


Um den Gläubigen aus nah und fern die Reliquien zeigen zu können, wurde Wolfoldus in der Kirche beigesetzt. Im Jahr 1766 ordnete der Augsburger Diözesanbischof Josef Landgraf von Hessen die Erhebung der Gebeine an. Sie kamen in einen eisernen, mit roter Seide ausgeschlagenen Sarg, welcher über dem einstigen Grab positioniert wurde. 1869 nahm man die Gebeine, faßte sie in Gold und Seide und setzte sie in einen gläsernen Schrein auf dem Richildisaltar aus. Heute befindet sich der Wolfoldusschrein in moderner Glasfassung in die rechte Langwand der Richildiskapelle eingelassen. Der Schrein wird von einem Reliquiar und von zwei Heilungsurkunden umrahmt und hat nun seine weihevolle Ruhestätte gefunden.





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Die selige Richildis


Zu gleicher Zeit mit dem seligen Wolfoldus lebte in Hohenwart eine Frau namens Richildis. Über ihre Herkunft erzählt die Sage, dass sie eine königliche Prinzessin von England oder die Tochter des Markgrafen Bosco aus Tuscien und dessen Gemahlin Willa aus Burgund sei. Sie führte ein sehr frommes Leben, jedoch nicht in einem Nonnenkonvent, sondern als Einsiedlerin in Rekluse. Reklusen (in Bayern auch Klausner) auf lateinisch "Zurückgezogene" oder "Eingeschlossene" - sind Menschen, die zurückgezogen von der Welt, eingeschlossen in einer Zelle bei einem Kloster, ein Leben der Buße führen.

Das Haus eines Klausners mußte aus Stein gemauert sein, in Länge und Breite zwölf Fuß (3,6 Meter) haben und drei Fenster besitzen. Durch das Fenster welches auf der Seite der Kirche liegt empfing der Bewohner den Leib Christi, durch das gegenüberliegende erhielt er Lebensmittel, das dritte, ein Glasfenster war für das Eintreten des Lichtes und mußte dauerhaft geschlossen bleiben.

Richildis führte in dieser Zeit ein strenges, heiliges Leben, in welchem sie durch ihr erfolgreiches Wirken größte Ehrerbietung erhielt.

Sie hatte einen solchen Ruf der Heiligkeit erworben, dass ihr nach dem Tode der Ort der Ruhe unter dem Altar der heiligen Apostel Petrus und Paulus zuerkannt wurde. In demselben Grab lag auch der heilige Leib einer Märtyrerin aus der Schar der heiligen Ursula namens Juliana. Später wurde ihre Zelle in eine Kapelle verwandelt und der Leib der Seligen darin aufbewahrt. Die Gläubigen wallfahrten scharenweise zu diesem Grabe. Unzählige erlangten durch die Fürbitte wunderbare Hilfe. 1485 wurden die Reliquien in der Richildiskapelle zur Verehrung ausgesetzt. Der Wallfahrtsort Hohenwart erlangte dadurch einen Ruf über die Grenzen Bayerns hinaus und jährlich kamen viele Tausende Wallfahrer in die Marktgemeinde.

Die selige Richildis stand in dem Ruf, viele Wunder und Gebetserhörungen bewirkt zu haben. Man spricht von über 5.000 Wundern, jedoch erst ab 1550, da alle vorherigen Aufzeichnungen bei den verschiedenen Klosterbränden vernichtet wurden.

Stich zur 700-Jahr Feier des Todes der Paargau-Patronin

Einige wunderbare Heilungen ab 1558:

Augenleiden:

1558 Georg Fröschl von Freinhausen
1629 Sohn der Kath. Kinassin von Gröbern
1632 das blind geborene Kind der Elisabeth Zucklin von Pfaffenh.

Ohrenleiden:

1570 Sixtus Wilhelm von Ellenried - drei Wochen gehörlos
1618 Thomas Högner von Kammerberg - vier Jahre taub

Zungenleiden:

1659 die 20jährige Barbar Grossin von Rein - acht Wochen stumm und lahm
1665 9 jährige Sabina Hermannin von Weichenried - war vier Jahre stumm

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Das goldene Buch von Hohenwart

Das bedeutenste Heilgtum der Benediktinerinnen zu Hohenwart war das Goldene Buch. Dies kostbare Werk entstand um das Jahr 1200. Man nimmt an, dass die Künstlerin eine adelige Laienschwester gewesen ist. Sie soll eine Verwandte der Stifterfamilie gewesen sein, und einige Jahre als Hofdame am Königshof Frankreich gelebt haben. Um 1200 kehrte sie nach Hohenwart zurück.

Der Text des Buches ist eine handschriftliche, vollständige Wiedergabe der vier Evangelien mit bemerkenswerten Initialen nebst anderen Ausschmückungen. Acht mit goldenem Hintergrund ausgestattete, postkartengroße Bilder verschafften dem Kunstwerk den Namen "Goldenes Buch". Großartig war die Technik, mit welcher dieser goldene Hintergrund hergestellt wurde. Man verwendete ein uraltes Rezept, in welchem zuerst das Pergament mit Eiweiß klebrig gemacht wurde. Anschließend wurde eine hauchdünne , gewellte Schicht "armenische Erde" aufgetragen, an welcher das Blattgold anheftete. Zum Schluß wurden auch die Seitenränder mit Emulsionsgold (einem in einer weißartigen Flüssigkeit verrührten Goldstaub) bestrichen.

Nach einem Diebstahl im Jahr 1659 und etlichen "Reisen" im Anschluss, landete das Buch während der Sekularisation im Jahre 1803 im Tresor der Bayerischen Staatsbibliothek, wo es sich noch heute befindet (Quelle: D'Hopfakirm Nr 8. von Hans Puchart).

Maria mit Stifterin
Auf dem Bild hat sich die Künstlerin verewigt. Sie ist links unten, klein und zu Füßen der hl. Maria zu sehen.

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Die Heiligtümer zu Hohenwart

Wie zu dieser Zeit üblich, brachten auch Graf Raboth und sein Sohn Ortloph Reliquien aus dem heiligen Land von ihren Kreuzzügen nach Europa mit.

Ein Auszug aus dem Buch - Geschichtliche Darstellung für Wallfahrer aus der Bücherei der Abtei Scheyern klärt auf, welche dieser Heiligtümer in Hohenwart zu sehen waren:

Von Jesus Christus ist dies ein Stein, auf welchem er im Gebet gekniet haben soll. Ein Stück seines weißen Kleides, welches er trug als er von der Menge verspottet wurde. Ein Partikel vom hl. Kreuz, sowie ein Stück aus dem Gürtel des Erlösers. Ebenso ein Tuch, in welches Joseph von Armathea Jesus eingewickelt hatte, und in welchem noch Spuren seines Blutes zu sehen sind. Weiter noch ein Dorn aus seiner Krone, mehrere Stücke Erdreich vom Kalvarienberg, und ein Teil des Schwammes von welchem er am Kreuze getrunken hatte.

Auch von der Gottesmutter sind drei namhafte Stücke in Hohenwart verblieben. Dies sind je ein Stück ihres Schleiers, ihres Kleides und ihres Gürtels.

Aber auch von mehreren Heiligen sind in Hohenwart Reliquien zu sehen: Der Leib des hl. Julian, der seligen Richildis und des seligen Wolfoldus, ein Finger des hl. Remedius, Haare und Mantel der hl. Brigitte, ein Zahn des hl. Petrus nebst vier Stücken von seinem Kreuze, ein Bein des hl. Georgius, ein Armbein des hl. Sebastian, Gebeine der hl. Barba, Regina, Margarethe, Agatha Elisabeth und von verschiedenen heiligen Aposteln, Märtyrern und heiligen Jungfrauen.

In der Richildiskapelle befinden sich zudem die Gebeine des hl. Markus, welche 1740 aus den Katakomben Roms nach Hohenwart gebracht wurden.

Wegen dieser extrem großen Anzahl an Heiligtümern wurde der einst heilige Berg von den zahlreichen Wallfahrern zum ersten Mal als die "wirkliche Perle des Paartals" bezeichnet.


Ehemalige Klosterapotheke

Die 7 Meter lange, 4 Meter breite und 3 Meter hohe, im Jahr 1896 renovierte Klosterapotheke, findet man heute im Souterrain des Klosters.

Geschmückt ist sie mit Stukkaturen, Putten und Tierfiguren aus dem 18. Jahrhundert. Es ist das goldene Zimmer des Klosters, und wird nur besonderen Gästen geöffnet. Direkt über der Eingangstür fällt der erste Blick der Besucher auf ein wunderschönes Stuckrelief. Auf diesem thront der einzig wahre Arzt, von dem alles Leben, alle Gesundheit und alle Pharmazeutik herrührt - Jesus Christus der salvator mundi! In der linken Hand hält er eine Waage mit zwei Schalen. Auf der einen Schale sind Kreuz und Geißel. Das Kreuz stand als Symbol des Heils und für die Gesundung. Die Geißel war in früheren Zeiten ein Symbol für Selbstzucht und Selbsterziehung, um durch die passende Lebensweise die Krankheiten erst gar nicht aufkommen zu lassen. In der zweiten Schale ist ein Becher mit einem Kräuterbündel, welches als Heilmittel gesehen wird. Zu seiner Linken steht ein Apothekerschrank mit verschiedenen Medikamenten in Gläsern und Schubläden. An den Aufschriften erkennt man die Heilmittel in den Gläsern: Glaube, Hoffnung, Liebe, Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigung, Starkmut, Armut, Keuschheit, Gehorsam und Sanftmut.

Bilder des hl. Franziskus, der hl. Walburga, des hl. Antonius von Padua, Franziskus Xavierus, des hl. Josephs sowie des hl. Ignatius verschönern zudem den Raum.
Quelle: "Hohenwarth" von B.M. Haas

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Gesamtbesitz des Klosters im 15. Jahrhundert

Über den Gesamtbesitz des Klosters an Gütern und Rechten im 15. Jhd. gibt das Hohenwarter Salbuch Auskunft. Das Salbuch wurde begonnen von Abtissin Agenes Horner (1448-68), und vollendet von ihrer Nachfolgerin Klara von Höhenkirchen im Jahre 1471. In der Vogtei (so wurden die Orte im nahen Umkreis des Klosters genannt) hatte das Kloster nahezu in jedem Ortsteil grundeigene Güter. Im Markt Hohenwart waren dies mehrere Grund- und Hauszinse, sowie Zoll- und Zapfenrechte (Schankrecht). Aber auch in vielen Ortschaften der Kreise Aichach, Schrobenhausen, Pfaffenhofen und sogar im Dachauer Raum bezog es Einkünfte aus landwirtschaftlichen Gehöften. Zudem besaß es Güter in Päl, Wolfratshausen, in der Grafschaft Werdenfells sowie ein Großgut in Tirol und ein Weingut in Brixen. Die beiden letzt genannten wurden jedoch im Jahre 1485 veäußert, und vom Erlös wurden der Seldhof zu Tegernbach und der Osterhof zu Rohrbach gekauft.

Quelle: "Hohenwarth" von B.M. Haas

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Hochzeit im Fasching mit blutigem Ende!

Während der Faschingszeit des Jahres 1489 feierte ein Hohenwarter Bürgerpaar ein großes Hochzeitsfest. Verwandte, Bekannte, Ehrengäste - kurzum alles was in und um Hohenwart Rang und Namen, Einfluss und Ansehen besaß war geladen. Gefeiert wurde im großen Saal des Hohenwarter Rathauses. Im Mittelalter war es in Hohenwart durchaus üblich seine Hochzeitsfeier im Rathaus zu machen. Die Hochzeitsgäste kamen in Scharen, herausgeputzt mit ihren besten Garderoben und wertvollsten Schmuckstücken. Die Damen in seidenen Roben und kunstvoll gesteppten Ringelhauben mit edlen Broschen, Ketten und Ringen. Die Männer mit glänzenden Schnallenschuhen, Seidenstrümpfen, mehrfarbigen Pluderhosen, Wams und Barett, sowie kurzen Stiletts oder mit langen Degen als Zierde. Im nun dicht gedrängten Rathaussaal kam es bei einem der ersten Tänze zum Eklat! Nach altem Brauch wurde ein Tanz für die Familie des Bräutigams aufgerufen. Die Verwandtschaft der Braut musste dabei während dieses Tanzes zusehen und warten bis dieser beendet war. Der Tanz dauerte einem jungen Paar aus der Brautverwandschaft wohl zu lange, und so tanzte es übermütig vor und nahm sich "Sonderrechte" heraus, die auf die ebenfalls tanzenden Bräutigamsverwandten beleidigend wirkten. Ein Schimpfwort gab nun das andere und im Nu war eine Rauferei im Gange. Messer blitzten, Stilette wurden drohend gezeigt, und wer von den Anwesenden einen Degen dabei hatte der zog blank. Eine Partei schlug nun bewaffnet auf die andere ein. Die Frauen, Mädchen und unbewaffneten Männer suchten panisch das Weite und flüchtet so schnell dies im Gedränge möglich war. Auf der Treppe kam es zu Stürzen und die Gefallenen wurden von den nachrückenden getreten. Da diese dabei auch stürzten und liegenblieben wurden den anderen Flüchtenden der "rettende" Ausweg versperrt. Ein wüstes Durcheinander an der Rathaustür war die Folge! Das Menschenknäuel lag schließlich so hoch, daß die zuletzt Herabeilenden kaum noch unter dem oberen Türsturz ins Freie hinauskriechen konnten. Der Kampflärm und das Jammern und Schreien wurden auf dem ganzen Markplatz gehört. Nachbarn und Anwohner kamen herbei um zu helfen. Diese Hilfsmaßnahmen machten nun das Chaos komplett. Sie zogen und zerrten, was sie mit Armen und Beinen zappeln sahen und packen konnten. Man trampelte auf Bäuchen, Rücken und Gliedern herum bis ein verzweifelter Helfer eine rettende Idee hatte. Er begann laut die selige Richildis um Hilfe anzurufen, und gelobte Fingerringe, Mäntel und andere Notopfer zu spenden, wenn durch seine Fürbitte der Wirrwarr gelöst wurde.

Tatsächlich beruhigten sich jetzt die Helfer, und bekamen dadurch die nötige Übersicht und arbeiteten nun planvoll. Hübsch der Reihe nach holten sie nun einen nach dem anderen, die Obersten zuerst, vom Haufen herunter, bis man nach und nach alle glücklich und weitestgehend heil herausgezogen hatte.


Kaum fertig stellten sie fest, dass sich nun auch die "Kampfhähne" oben im Saal ausgetobt hatten. Es war viel Blut geflossen, Bader und Wundärzte hatten alle Hände voll zu tun. "Sankt Richildis" sei es zu verdanken, schrieb der Chronist, dass alle wieder gesund wurden. In über 500 Jahren war dies wohl die turbulenteste Hochzeit in der Marktgemeinde und sollte es auch tunlichst bleiben!


Quelle: Auszug aus der Hohenwarter Chronik - der Altbayerischen Heimatpost entnommen von Vitzthum


Die ersten Geschlechter des Marktes:

Im 14. Jahrhundert tauchen in alten Kaufbriefen die ersten und eigentlichen Hohenwarter auf. Erst jedoch noch ohne Familiennamen nur mit Berufsbezeichnung oder Hausnamen. Anbei einige Beispiele:


1349: Konrad der Liebschatz, Agnese der Strettenbergerin, Friedrich der Raab oder Dietrich der Schreiber

1361: Anna der Watgadinerin, Heinrich der Zinsmeister, Wolhart der Rausch, Wohlhart der Hausner

1383: Eberhard Schenk aus der Au, Konrad der Anger, Heinrich der Kraus

1467: Hermann Wild von Wangen, Konrad Adler von Maushof

1486: Peter Prückl, Martin Sedlmaier, Ulrich Nickl, Hans Sayler

1514: Hans Kaltenthaller, Sixt Hackl, Sebastian Größl

1550: Wolfgang Pöll, Hans Pöll im Vormarkt, Michael Kopp, Lienhart Spielberger

1584: Georg und Anna Sigl, Matthäus Schmid,

1594: Mathias Groß, Petrus Zwickl, Hans Ilmberger, Jerg Peyerl, Martin Köpf, Georg Winhart, Konrad Klausner,

1595: Lachermair im Vormarkt, Liebhart, Hörmann, Weixlpaumer

Quelle: Haas


Hohenwart im Dreißigjährigen Krieg

Am 15. April 1632 schlägt Schwedenkönig Gustav Adolf mit seiner Truppe die kaiserliche Armee in der Schlacht von Rain am Lech. Nach dem der bayerische Feldmarschall Graf Tilly tödlich getroffen wird, kann die katholische Liga dem 40.000 Mann starken "Schwedenheer" keinen Wiederstand mehr leisten und Kurfürst Maximilian I zieht sich mit dem Rest der Armee nach Ingolstadt zurück. Auch der schwer verletzte Heerfüher Graf Tilly wird in die "Schanz" gebracht, wo er am 30. April verstirbt.

Die siegreichen Schweden überschreiten in den Folgetagen den Lech und ziehen Ostwärts quer durch das Paartal. Edelshausen und Sandizell werden niedergebrannt, Berg im Gau wird schwer geplündert und Schrobenhausen wird am 17. April eingenommen.

Auch der Markt Hohenwart wird besetzt und dauerhafter Posten der Schwedischen Armee, diese richtet sich für die nächsten Jahre ein.

Das Klosterkonvent flüchtet mit allen Heiligtümern nach Ingolstadt, wo sie Schutz im Kloster Gnadental finden. Mit dem Konvent flieht auch der Hohenwarter Pfarrer, so dass sich von nun an Pfarrer Sieber von Deimhausen um die Seelsorge kümmern muss.

Die Schweden plündern das Kloster, setzen den Pfarrhof in Brand und verrichten noch weitere Greueltaten.

Am 24. Juni 1632 wird der Bürger Sebastian Wörl in seinem eigenen Haus erschossen.

Kaspar Lang und Georg Kueffler aus Wangen, sowie Sebastian Fasolt aus Dirhamb kommen in derselben Nacht ums Leben.

Am 30. März 1633 werden Jakob Schiderle und Wolfgang Reindlmayr ermordet.

Schenkenau ist nur noch eine Ruine. Von allen Einwohnern leben nur noch der Dorfschmied Hans Sailer und der Leinweber Liebhard. Auf der Suche nach Verpflegung und Futter werden die Deimhauser Fluren verwüstet und das Vieh weggetrieben. In Freinhausen wird das Schloß niedergebrannt und Hohenried wird schwer verwüstet. Der Hub Aschbrunn wird niedergbrannt und alle Bewohner ermordet. In Brunnen werden 3/4 des Dorfes in Schutt und Asche gelegt. Erst im Frühjahr 1635 verlassen die Schweden die Marktgemeinde. Hohenwart scheint verhältnismäßig glimpflich davongekommen zu sein. Doch noch ist der Schrecken des dreißigjährigen Krieges nicht vorbei.

Ehe der Krieg endet, setzt in den Jahren 1646 und 1647 ein großes Kindersterben ein. Im November und Dezember 1646 sterben 53 Kinder, im Januar und Februar 1647 nochmal 39 Kinder. Man gibt der damalig herrschenden "ungarischen Pest" und der grausamen Hungersnot die Schuld daran.


Auch nach dem dreißgjährigen Krieg bleibt Hohenwart von militärischen Durchmärschen, mit all dem dazugehörigen Schrecken und Leiden, nicht verschont. Ob im Spanischen Erbfolgekrieg von 1701-1714, im österreichischen Erbfolgekrieg von 1741-1745 oder während der Napoleonischen Feldzüge, bis 1809 erlebt der Markt von nun an laufend militärische Durchmärsche und Einquartierungen.

Quelle: "Hohenwart" M.B. Haas


Die Franzosen im Land

Der Pfarrer von Weichenried, Benedikt Fischer, schrieb über die Einfälle der französischen Truppen im Paartal:
Schwere Zeiten voll Unglück und Elend brachen nach den Einfällen der Franzosen, in den Jahren 1796 und 1800, über die heimische Bevölkerung herein. Besonders die Geistlichen waren ein beliebtes Ziel der feindlichen Soldaten, da man bei ihnen Geld und Kostbarkeiten vermutete. Diese Vermutung war auch durchaus berechtig. Es war damals nicht unüblich, dass sich in Kriegszeiten und bei zu erwartenden Plünderungen die Bevölkerung an die Priester wandte. Sie erbaten bei Ihnen den Schutz und die Aufbewahrung ihrer Habe, so lange bis die Marodeure wieder aus dem Land abziehen würden. Man hoffte dabei ein Geistlicher würde aufgrund seines Standes nicht durchsucht werden, wie dies vorher fast immer üblich gewesen war. Nicht so bei den "Geldgierigen" Franzosen. Nirgends war das Geld unsicherer als bei einem Geistlichen, da sich die Französischen Plünderer einen Spaß daraus machten diese noch extra zu quälen.
Wurden die Bauern noch etwas schonenend behandelt, die Geistlichen hatten alle Grausamkeiten zu ertragen. Unaussprechlich war das Leiden das diese an Leib und Seele zu erdulden hatten, so dass viele daran Priester starben. Glücklicherweise konnten auch viele in die in die Wälder fliehen, wo sie wie die Tiere hausten bis der "Franzos" die Gegend verließ.
Abschließend resümiert der Geistliche: "Es würde wohl kaum noch Kriege geben, wenn die Fürsten nur wenige Tag die Leiden und das Elend ihrer unschuldigen und armen Untertanen ausstehen müßten!"

Die Franzosenkrankheit im Paartal

War im Mittelalter die Pest die Geisel der Menschheit, so wurde diese Seuche in Zeiten der "Napoleonischen Kriege" von der Syphilisepidemie abgelöst. Die Ursachen für die schnelle Ausweitungen und die teilweise Entvölkerung ganzer Landstriche, lagen in den mangelnden hygienischen Verhältnissen in den geplünderten und zerrstörten Städten und Dörfern. Sie wurde auch Franzosenkrankheit genannt, wohl in der Annahme, daß die Seuche von den Franzosen ins Land geschleppt worden wäre. Viele Orte im Paartal wurden von der sehr ansteckenden Syphilis heimgesucht. Von Schrobenhausen bis Reichertshofen blieb kein Ort ganz von der Seuche verschont. Pörnbach, Weichenried, Freinhausen und Reichertshofen waren besonders stark betroffen, und verloren unverhältnissmäßig viele Einwohner durch die Seuche.

Später in den Napoloenischen Kriegen fielen folgende Hohenwarter Bürger:

1808 Josef Niedermayr und Josef Münzer

1809 Anton Kleiner aus Wangen

1812 Daniel Schneider, Michael Forster, Johann Heumann,
Georg Rieder, Georg Häckl, Mathias Schoderer und Mathias Niedermayr

Quelle: "Hohenwart" M.B. Haas


Niedergang und Ende des Klosters in der Säkularisation 1803


Mit dem Tod der Abtissin Sabina Richildis, im Jahr 1718, begann die Zeit des Abstiegs und der Zerfall des Klosters.

Schwache Regentinnen und schlechte Wirtschafterinnen folgten in den nächsten Jahren. Zweimal mußten sogar kostbare Paramente und Kirchengeräte verkauft werden um die zwischenzeitlich stark angewachsenen Schulden tilgen zu können.

Folgende Kostbarkeiten waren in den Verkaufslisten aufgeführt:


Verkauf 1761: Ketten, Kanndler, Perlen, Knöpfe, Münzen und Rosenkränze


Verkauf 1774: Silberstatuen, Leuchter und andere kirchliche Kostbarkeiten (z.B. Gemälde und Weihrauchgefäße)


Jedoch reichte auch der Verkauf dieser "Kostbarkeiten" bei weitem nicht aus den enormen Schuldenberg abzutragen. Ein wiederholtes Einschreiten, der Staatsregierung in München und des Bistums Augsburg, war notwendig, um die katastrophalen Verhältnisse wieder auf einen "ordentlichen" Stand zu bringen. Wie weit das Kloster bereits "geschädigt" war zeigt folgendes Beispiel:


Eine neue Abtissin sollte das Kloster wieder auf die Beine bringen, und so wurde eine Neuwahl durchgeführt. Viele Wahlgänge waren notwendig, um eine Wahlmehrheit zu erhalten. Erst im achten Versuch wurde Amalia Hundhammer aus Kehlheim mit 10 von 16 Stimmen zur Abtissin gewählt.


So sehr sich die neue Abtissin auch bemühte, so wenig Erfolg konnte sie schlussendlich verbuchen. Am 19. März des Jahres 1803, verkündete der vom Reichsdeputationshauptschluß bestellte Kommissar der Abtissin, ihren 15 Chorfrauen und 14 Laienschwestern, die Aufhebung des Klosters. Ihre Bitte, bis zum Tod zusammenbleiben und in ihrem Haus das klösterliche Leben weiterführen zu dürfen, wurde erfüllt. Sie erhielten auskömmliche Pensionen und blieben vorerst im Kloster wohnen.

Rasch schmolz das Häuflein jedoch. Der Tod riß Lücken und Austritte erfolgten. Die letze Chorfrau starb, 82 Jahre alt, im Jahr 1845 in einem Hohenwarter Privathaus Nr. 101 neben der Kinderbewahrungsanstalt.


Der Grundbesitz des Klosters wurde 1806 veräußert. Etwas über 1.800 Tagwerk an Äckern, Wiesen und Waldungen wurde dabei veräußert. Ebenso die sog. Abtei mit Anbau, das Gasthaus, das Bräuhaus und alle Ökonomie- und Nebengebäude samt dem großten Teil des Konventgartens. Das eigentliche Klostergebäude dagegen blieb beim Staat. Es stand von nun an unbenützt und unbewohnt, und wurde dem Klosterrichter Thomas Pfab als prov. Administrator unterstellt. Zudem wurde alle bewegliche Habe des Klosters als Staatseigentum erklärt.


Das vorgefundene Gold und Silber (sogar die kostbaren Einfassungen der Reliquien) wurden zum Einschmelzen ins kurfürstliche Münzamt gebracht.

Gold und Silber: 2 Ziborien (Altaraufbauten), 1 großes Kreuz aus vergoldetem Kupfer, 2 kleine Monstranzen, ein kleines vergoldetes Marienbild, eine kleine versilberte Säule (Geiselungssäule Christi), eine Gefäß mit einem großen Agnus Dei (geweiht von Papst Gregor XIII), eine große silberne Monstranz, 1 Mariengefäß, 1 kleines silbernes Gefäß mit Reliquien, 2 silberne Monstranzen.

Bilder: Salvatorbild, silbernes Liebfrauenbild, Silberbilder von hl. Johannes des Täufers, des hl. Petrus, Benedikt, Wolfgang, Sebastian, Chrystopherus, Ulrich, Hierionymus, Andreas, Johannes des Evangelisten, Philipp, Maria, Magdalena, Scholastika, Ursula, Barbara, Regina, Margareta, Agatha und v.m.

Alle dies silbergetriebenen Arbeiten waren Meisterwerke einstiger Gold- und Silberschmidekunst.


Der Pfarrkirche verblieben nur 4 silberne Kelche, eine Monstranz und einige Kerzenleuchter. Das Goldene Buch und andere schriftliche Dokumente wurden in die Staatsbibliothek München gebracht. Die hl. Reliquien (ohne Gold- und Silberschmuck) blieben zurück. 1900 wurden diese wieder gefasst, und zurück in die Richildiskapelle gebracht.


Die Hofmark Schenkenau


Die Nikolauskirche zu Schenkenau wurde am 13. Januar 1138 von Walther I, Pfalzgraf von Dillingen und Bischof von Augsburg , eingeweiht. Die drei Glocken wurden erst in den Jahren 1481, 1710 und 1792 in den Turm gebracht. Der barocke Turm mit der Zwiebelhaube hat die stattliche Höhe von 32 Metern.

Im Inneren der Kirche befinden sich zwei Barockaltäre, Ölgemälde und Reliquien.


Das Nikolauskirchlein mit der angebauten Kaplanswohnung ist der Rest einer einst stattlichen Wasserfestung. Bald nach der Umwandlund der Grafenburg Hohenwart in ein Kloster ließ Pfalzgraf Otto von Scheyern die Paartalstraße durch einen befestigten Burgbau sichern. Die umliegenden Auwaldungen gaben der Burg ihren Namen: "in der Aue". Im Jahre 1109 übereignete der Pfalzgraf diese Burg seinen treuen Schenken, den Rittern von der Aue, als Lehen des Hauses Bayern. Bereits damals gehört zum Schloss das Gotteshaus Sancti Nikolai, welches zwischen den zwei Flügeln des Schlosses eingebaut war.

Graf Ortlof hatte vom Kreuzug um 1090 Reliquien des hl. Nikolaus mitgebracht, die er dem Schenkenauer Kirchlein stiftete. Vermutlich war dies der Grund der folgenden ausgedehnten Nikolausverehrung in der Gegend. Die Ritter von der Aue baten den Bischof Walter von Augburg, er möge das Schloßkirchlein feierlich einweihen. Am 13. Januar 1138 kam der Bischof nach Schenkenau geritten, weihte die Kirche, dotierte die Schenkenauer Kirche mit großen Ablässen, päpstlichen Bewilligungen und einer Wahlfahrtsberechtigung. Sehr früh wird urkundlich bereits ein "Capellanus" in Schenkenau erwähnt. Der Hofmarksherr besoldete ihn mit Naturalien, einer Wohnung, mit Brand und mit Bargeld.

Qelle: Kreisheimatpfleger Gg. August Reischl



Nikolaus-Feier


Alljährlich am Nikolai-Abend wurden in Schenkenau die Armen der Gegend mit Speis und Trank versorgt. Dieser Brauch existierte über mehrere Hundert Jahre. Noch vor knapp 200 Jahren hatte der Tafernwirt zu Schenkenau "große Mühe all das arme lustige Volk" dem Heiligen zu Ehren auszuspeisen. Zu diesem Zweck spendet alleine die Hochstattmühle jährlich 2 Hektoliter Bier und 64 Mezen Korn, sechs Metzen Weizen, zwei Mastschweine, 100 Eier, ein halbes Kalb, 20 Käselaibe, zehn Hühner und vier Gänse.

Der Bauer aus Ayznerhofen mußte jährlich 48 Metzen Korn, 30 Metzen Hafer, sechs Metzen Gerste, vier Metzen Metzen "haniiff", 11 Metzen Erbsen, einen Ochsen, zehn Hühner, vier Gänse und einen Zentner Eier liefern.

Quelle: Hans Reischl

Schenkenau


Zweite Kapelle



In früheren Zeiten war noch ein zweites Kapellchen der lieblichen Aue Schmuck und Zierde - die kleien St. Nikolauskapelle mit der Heilquelle schreibt die Chronik. Gottfried Heinrich Freiherr von Egloff ließ diese 1697 als Octagon (achteckige Rotunde) bauen, und mit Kuppel und Spitze versehen. Im 16. und 17. und noch im 18. Jhd. übte die Heilquelle mit ihrem leicht schwefelhaltigen Wasser große Anziehungskraft aus. Besonders "arme elende" Männer fanden im "Wildpfad zum lieben Herrn St. Nikolasen in Schenkenau" Genesung. Der Rat der Stadt Schrobenhausen gab etlichen seiner Bürger Geldzuschüsse für eine Kurreise nach Schenkenau.


Schloß Schenkenau

Kapelle

Die Herren von Schenkenau

Die ältesten erwähnten "Herren zu Schenkenau" sind die Wölfe aus der Aue. Der Name ist wohl ein Ehrentitel aufgrund ihrer gefürchteten und draufgängerischen Taperkeit in Kriegen und Turnieren. Im Jahr 1165 liest man von Wilhelm und Wernher. 115 tritt Rotbert der Wolf aus der Au und sein Vetter Adalberto auf, anschließend Rotprecht, gennant das Wölflein aus der Au, und schließlich folgt 1178 Odalricus der Wolf aus der Au. Nach ihm verschwinden die Wolfe aus der Au. Sie traten in eine höhere Adelsklasse ein, wodurch der alte Name nicht mehr ihrer Würde entsprach.

Neuer Herr wurde Luitpold I ein herzoglicher Ministriale. Hundert Jahre lang war der Name Luitpold Träger der Geschichte der Auer. Das beginnende 13. Jhd. führte die Ministriale aus der Au u weiterer Macht und Größe. Sie erfuren als herzögliche Schenken eine hervorragende erbliche Auszeichung. Alle männlichen Nachkommen führen von nun an den Titel "Schenken aus der Aue". Um 1350 verkauft Eberhart I. Herr von Schenkenau das Erbe, und die Schenken von der Aue treten als Herren ab.

Neuer Besitzer wird Wilhelm II. von Bayern. Bereits im Jahr 1422 verauf dieser den Besitz für 400 Gulden an Wernahrt von Seyboltstorff. Die Seyboltstorffer sind ein tüchtiges Adelsgeschlecht durch das die Hofmark wieder in die Höhe kommt. 1427 verleiht Herzog Ernst von Bayern,


Herzog Ernst von Baiern-München


der Hofmark, noch die Lehen Burgstall, Dorfgericht, Fischwasser und zwei Höfe in Eulenried .

Ab 1457 üben die Seyboltsdorffer zudem das Richteramt in Pfaffenhofen aus.

1605 geht der Besitz an Moritz von Rohrbach zu Rohrbach käuflich über.

Am 09. Juli 1639 kaufen Egolff von Zell und seine Gemahlin Barbara, eine geb. von Seyboltstorff die Hofmark.


Wappen: Egloff v. Zell auf Schenkenau


Am 28.05.1711 wird die Hofmark an Graf Johann Franz Xaver von und zu Freien Seyboltstorff weiter verkauft. Vorrübergehend wird auch noch Johann Joseph Clemens Anton Freiherr von und zu Weichs Besitzer. Doch bereits 1730 kauft Josef Karl Graf von Preysing den Besitz für 90.000 Gulden. Über 80 Jahre bleibt Schenken von nun an im Besitz der Familie von Preysing. 1811 kommt Freiherr Maximilian Emanuel von Perfall, Gutsbesitzer am Ammersee, erblich in den Besitz der alten Hofmark. Er gibt seinem Schloß in Freinhausen den Vorzug und ordnet 1812 die Niederlegung der Feste Schenkenau an. Ein wunderschönes historisches Schloßgebäude fiel dieser Entscheidung leider zum Opfer!

1839 kauft Graf Maximillian von Törring-Gutenzell die Überreste dereinst berühmt Hofmark.


1855 fällt das Gut schließlich dem Familienzweig Törring-Jettenbach in Pörnbach zu.

Quelle: "Hohenwart" Haas

 
 
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Das Handwerk in Alt-Hohenwart

"Ein kerniges, gesundes, strebsames Volk waren sie, die von Althohenwart. Ihr Streben nach Freihaiet und Unabhängigkeit, der Aufschwung des Gewerbes, die Gunst bei den Herzögen, die Befestigung der Mauern und Türme, die ihre Heimat unter die Städte einreihte, sind rümliche Zeugen dafür". so schreibt M.B. Haas in seiner Chronik.

Im 16. und 17. Jahrhundert herrschte in Hohenwart ein reges handwerkliches Treiben. In den Taufregistern findet man folgende Gewerbetreibende:

7 Weber - Hörmann, Eberle, Bracher , Heberle, Linenmayr, Breitner und Heysel
3 Maler - Hartner, Wirfl und Gottbewahrr
5 Schneider - Karl, Bayer, Hikher, Widmann und Märkl
1 Messerschmied - Aycher
1 Hafner - Schreyhofer
1 Kistler - Redell
1 Krämer - Dago
1 Fischer - Groß
1 Goldschmied - Aherr
1 Metzger - Kreitmayr
1 Gerber - Lidl
1 Schäfer - Kraus
4 Schuster - Arnold, Wolff, Scheiffler und Rab
4 Bäcker - Zacherle, Widmann, Schlittenberger und Harter
3 Schmide - Hiplin, Schabenberger und Trefen
1 Hausmetzger - Pfundner
1 Chirurg - Jakob Riegg
1 Brauereibesitzer - Schiderl
4 Bader - Vierling, Rieg, Westermayr und Rieger

Die Bader waren damals mehr Bademeister als Friseure. Das Baden spielte eine wichtige Rolle. Die Badestuben waren für warme und Schwitzbäder eingerichtet. In Hohenwart soll das Haus hinter dem Metzgerbräu (Stadl) eine der Badestuben gewesen sein. Das einstöckige Nebenhaus die Badestube und das zweistöckige Vorderhaus die Barbier- und Rasierstube.

Hohenwarter Gewerbe im 18. Jahrhundert:

Schneider, Schuster, Bäcker, Schäffler, Drechsler, Wagner, Schlosser, Schmied, Grobschmied, Nagelschmied, Waffenschmied, Messerschmied, Schwertschleifer, Polierer, Maler, Steinhauer, Sattler, Kistler, Glaser, Hafner, Zimmermann, Färber, Weber, Loderer, Kürschner, Walker, Tuscherer, Strumpfstricker, Rotgerber, Bürstenbinder, Hutmacher, Fischer, Müller, Krämer, Bauer, Molker, Gärtner, Uhrmacher, Chirurg, Brettermacher (Rosenkranzmacher), Seifensieder, Beutelschneider


Im Hohenwarter Gewerbe im 19. Jahrhundert:


Im 19. Jahrhundert hatte Hohenwart 961 Einwohner in 258 Familien.

Folgende Gewerbe wurden betrieben:

1 Bader                 7 Bäcker                  5 Bierbrauer             4 Binder              2 Dreher
1 Glaser                1 Gürtler                  1 Hutmacher            2 Hafner              4 Krämer
8 Leinweber           4 Metzger                1 Maurermeister       1 Nagelschmied   1 Müller
1 Obsthändler        2 Sattler                  1 Säckler                  1 Seifensieder     3 Schmiede
5 Schneider           2 Schlossser            1 Schleifer                4 Schreiner         1 Uhrmacher
2 Wagner              1 Wirt                       1 Zimmermeister       1 Färber             2 Lochner
1 Kaminfeger          1 Bote                     1 Essigfabrikant
4 Rosenkranzmacher                             3 Rot- und 1 Weißgerber                    11 Schuhmacher

Die auffallende hohe Anzahl der Schuster und der Rosenkranzmacher kam durch die vielen Wahlfahrer, welche die
Hohenwarter Reliquen besichtigten, zustande.

Die Hohenwarter Hammerlzunft:

Die Hohenwarter Hammerlzunft geht bis auf das Jahr 1449 zurück. Der Name Hammerlzunft bedeutet den Zusammenschluß zu einer Standesorganisation in Hohenwart. Dies ging von Handwerksmeister aus, die vor allem mit dem Hammer als wichtigstes Werkzeug umgehen mußten - in erster Linie also die Schmiede und Wagner. Im Laufe der Zeit traten noch Schlosser, Schreiner, Sattler, Glaser, Schäffler und Spengler der Zunft bei.

In der Zunfordnung waren per Satzung die Forderungen an die Meisterprüfungen für die Handwerke festgelegt.

Ebenso der Umgang mit säumigen Zahlern oder die Bestrafung eines Handwerkers bei "Kundenfang". Der bis dahin bei Wagners-Gesellen und Schmiedknechten, beliebte "blaue Montag" wurde aufgrund der unverhältnis vielen Kirchlichen Feiertage in Hohenwart, abgeschafft.

Zudem mußte ein Meisterbetrieb auch soziale Fürsorgepflicht in der Gemeinde übernehmen. Bürgerskinder aus armer Familie sollte das zu zahlende Lehrgeld (Damals zahlten die Familien der Lehrlinge an den Lehrherren!) erlassen um ihnen eine kostenlose Ausbildung zu ermöglichen. Natürlich dauerte die Lehrzeit dann doppelt so lange!

Toerring

Die Ringmauer des Marktes wird versteigert!

Seuchen, Repressalien, Hungersnöte und Teuerungen prägten die Kriegsjahre bis 1805. Auch der Markt Hohenwart blieb davon nicht verschont! Nach und nach musste der Markt schließlich einige seiner Besitzgüter veräußern. Am 25. Juli 1806 war Bürgermeister Franz Heigl gezwungen, das Schließhaus zu verkaufen. Das Häuschen, welches bei Viehmärkten zugleich als Zollhaus gedient hatte, wurde für den Preis von 265 Gulden und 62 Kreuzern an den Leinweber Josef Schweiger verkauft. Am 22 September 1807 wurde die 780 Meter lange Ringmauer des Marktes versteigert. Die Kaufsumme dafür betrug 744 Gulden und 39 Kreuzer. Die Wassergräben wurden eingeebnet und die Mauer schließlich im Jahr 1811 abgebrochen. Für den Preis von 2.955 Gulden und 45 Kreuzern wurden am 15. April 1809 vierundzwanzig Marktwiesen verkauft. Das mittlere Markttor (einstöckig, mit Ziegeln gedeckt und einer Torwartwohnung) wurde vom Maurermeister Alpusberger für 54 Gulden erstanden. Bürgermeister Zetl vergab am 10. Juni 1822 das untere Markttor zum Abbruch. Ignaz Kopfmiller und Willibald Tuchler bezahlten dem Markt 66 Gulden dafür. Auch das Spitaltor war bereits verkauft worden, konnte vom Markt aber wieder zurückerworben werden. Im Torbogen befanden sich zwei Freskengemälde aus dem 15. Jahrhundert. Die Gemälde mit einer Höhe von ca. 1,5 m und einer Breite von ca.1,4 m stellten zum einen eine Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes, zum anderen Christi Fall unter dem Kreuze, dar. Beide Bilder wurden im Jahr 1906 übermalt.

Um zu verstehen warum diese, aus unserer heutigen Sicht kostbaren, Gebäude verkauft und abgerissen wurden, muss man die Denkweise der damaligen Zeit kennen. Wie man im Jahr 1803 über die mitelalterlichen Stadtmauern und Gebäude dachte, wird in folgendem Auszug des "Churbaierischen Intelligenzblattes" deutlich:

Der Fortschritt ist ein unwandelbares Gesetz, dem der Mensch gehorchen muß. Er steigt von Kulturstufe zu Kulturstufe, und nicht alles kann von den unteren Stufen auf die höheren mitgeschleppt werden. Vieles Alte muß zurückgelassen werden.Somit können auch nicht alle Gebäude aus voriger Zeit stehen bleiben. Ein Abriß von Stadtmauern heißt nichts anderes, als damit die Reste der städtischen Barbarei von sich zu streifen.

Der Gelehrte Rudolf Eickemeyer schreibt dazu:

Seit dem Gebrauch des Schießpulvers haben Städte und Märkte aufgehört, haltbar zu sein. Noch dazu ist dies oft auch ein Nachteil. Findet im Krieg ein kleines Korps den Ort mit Befestigung zu Verteidigung vorteilhalft, ist die Besatzung für den Ort meist ein Unglück. Die Unterhaltung der alten Gemäuer übersteigt oft auch die Kraft der Bewohner. Versteckte Öffnungen können vom "liederlichen Gesindel" trotz bewachter Tore benutzt werden, um nächtliche Diebereien vorzunehmen. Die Torwachen sind zudem eine Last für die Gemeindekasse. Die Einwohner werden durch die starren Mauern immer mehr zusammengedrängt und finden überall Mangel an Bequemlichkeit zu ihren Verrichtungen. Den von den hohen Mauern benachbarten Gebäuden fehlt der nötige Luftzug, um die schädlichen Dünste hinwegzuführen. Sonnenlicht ist überdies nur spärlich vorhanden. Die Steine der Mauern könnten für die Verbesserung von Gebäuden und Wegen benutzt werden. Dies alles sind Gründe gegen das "alte Gemäuer".

Graf

Der Gottesacker in Hohenwart

Der Gottesacker lag nördlich der früheren Pfarrkirche. Aber auch die Marktkirche hatte je auf östlicher und nördlicher Seite einen Friedhof.

Als die allgemeinen Beisetzungen in den Klostergängen, den Domhofarkaden und den Gottesäckern um die Kirche innerhalb einer Siedlung verboten wurden - die Friedhofe mussten von nun an außerhalb des Ortes verlegt werden - mussten die Totengebeine in einen neuen Gottesacker verlegt werden. Östlich vom Markt an der Straßenkreuzung Hohenwart-Hohenried-Freinhausen-Klosterberg wurde 1862 auf Graf Törringschem Grund und Boden der neue Gottesacker angelegt. Als erster wurde der damalige Pfarrer Augustin Häger dort beigesetzt. Sechs Jahre später, 1868, erhielt der neue Friedhof eine Kapelle an der Westmauer. 1871 wurde eine zehnjährige Erlaubnis erteilt, die hl. Messe in der Kapelle zu lesen.

Im Jahr 1911 wurde das Kapellchen vom Malermeister Hans Schröffer sehr schön restauriert und am 25. Mai 1912 von Kunstmaler Balthasar Lacher mit einem wohlgelungenen Ölgemälde, das die Auferstehung Christi darstelt, geschmückt.

Ringmauer

Die Geschichte von Steinerskirchen


Die Geschichte des uralten Kirchen- und Herrensitzes "Steininin chiricha" reicht weit in die vorchristliche Zeit zurück. Es wird angenommen, dass sich auf dem Hügel eine keltische Kultstätte befand. Zu Beginn des 6. Jahrhunderts wurde Steinerskirchen von den Bajuwaren besiedelt. Zur Zeit der Massenchristianisierung gründeten Missionare, unter dem hl. Rupert, um das Jahr 700 eine Missionsstation und eine Kirche in Steinerskirchen. Da die Kirche (untypisch für die damalige Zeit) aus Steinen gebaut war, gab man der "Kathedrale" den Namen "stainerne Kirche". Die Nebenkirchen und Wohnhäuser auf dem Hügel waren aus Holz gebaut.

Die Geistlichen der Missionskirche Steinerskirchen führten den Namen "eines Kirchherrn". Dieser Amtstitel findet sich u.a. noch als Ehrentitel in einer Urkunde des Klosters Hohenwart vom 25.07.1353, in welcher ein Herr Jakob Kircher, d.h. Kirchherr zu Stainerskirchen erwähnt wird.

Lange bevor zu St. Richildis und Wolfoldus gepilgert wurde, war Steinerskirchen bereits ein bekanntes Wallfahrerziel mit Gnadenstätte.

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts strömten die Gläubigen scharenweise - besonders an jedem Muttergottesfest - nach Steinerskirchen. Durch Lebensmittelverkauf an die Gläubigen machte der Wirt von Freinhausen an diesen Tagen sehr gute Geschäfte. Rechtzeitig hatte er sich das Recht zum Verkauf im Kataster eintragen lassen.

Einer der ältesten christlichen Friedhofe in Bayern ist der Gottesacker von Steinerskirchen.

Nach dem 30jährigen Krieg war die Pfarrkirche baufällig geworden. Mangels Geistlicher war zu dieser Zeit kein Pfarrer in Steinerskirchen. Erst 1720 wurde die Kirche wiederhergerichtet, bevor im Jahre 1723 wieder ein Priester (Ferdinand Märkl) nach Steinerskirchen kam.

Die Pfarrkirche trägt den Titel B Mariae Virginis mit dem Patrozinium Mariae Verkündigung. Ortspatron ist der hl. Erzengel Michael. Die Kirche ist 62. Fuß lang und 16 Fuß breit. Im Turm mit Blechkuppel hängen 2 Glocken, wovon die eine, "Ave Maria" genannt, aus dem Jahr 1485, die andere aus dem Jahr 1770 stammt.

Besitzer von Steinerskirchen war bis 1471 der Herzog Arnulf von Bayern, bevor das Kloster Ilmmünster durch Kauf der Grundherr wurde. Als Ilmmünster im Jahr 1492 an das Kollegiatstift z.U.lb. Frau in München überging, wurde auch Steinerskirchen bis ins 19. Jhdt. in München grundbar. Der letzte Besitzer des Gutshofes Steinerskirchen, die Familie Greppmair, übergab 1950 den gesamten Besitz der Oberdeutschen und Österreichischen Ordenprovinz der Herz-Jesu-Missionare. Seitdem wird in neuzeitlicher Form fortgesetzt, was vor Jahrhunderten die Mönche des hl. Benedikt begonnen haben:


ora et labora!


Quelle: Heimatbuch Kreis Schrobenhausen 1963

Steinerskirchen

Das Spital in Hohenwart von Ernst Petz!


Ein wahres Schmuckstück, verbunden mit einer uralten Geschichte, finden wir in Hohenwart in der Kirchstraße 9. Am einzig noch vorhandenen mittelalterlichen Markttor angebaut ist das Hl. Geist Spital.

Altes Spital

Das Spital

Das Spital geht aus einer Stiftung des gebürtigen Hohenwarter Johann Winkler aus dem Jahre 1525 hervor. Winkler war Chorherr zu St. Moritz in Augsburg und auch sehr wohlhabend.

Für 7 bedürftige Personen vom Markt oder vom Berg, geht aus dem Stiftungsbrief hervor, sollte eine Unterkunft errichtet werden. Auch der Lebensunterhalt der Bewohner sollte aufgebracht werden. So steht im Brief: „zu ihrem Lebensunterhalt wöchentlich 14 Pfennige und Fleisch und Brot und andere Zehrung erhalten“.

1531 wurde das Spital dann errichtet. Über dem Haupteingang befindet sich die Inschrift:

„ Dieses Haus ist zur Ausübung der Nächstenliebe von Johann Winkler aus Hohenwart errichtet worden. Wer den Armen sich erbarmet, leihet Gott auf Zinsen, wer den Armen gibt, wird nicht Not leiden. 1531.“

Inschrift über dem Haupteingang

Inschrift

Das Geld für die Stiftung kam aus verschiedenen Höfen und Gütern die Johann Winkler erwarb. Zu ihnen zählte unter anderem der „Rumpfhof“ zu Weilach. Der Pächter musste so jährlich an Pacht 4 Säcke Korn, 6 Säcke Hafer, 10 Schilling Pfennig auf St. Jörgentag, 100 Eier auf Ostern, 10 Hennen, 10 Käse, 4 Gänse und 32 Pfennige zu Weihnachten erbringen.

Bewohnt wurde das Haus von alten, gebrechlichen oder kranken Leuten, die ihren Lebensunterhalt nicht mehr selber bestreiten konnten.

1802 hätte man das Spital gerne erweitert um weitere alte Leute unterzubringen und ihnen wenigstens eine heizbare Wohnung zu schaffen. Doch die finanziellen Verhältnisse der Stiftung ließen dies nicht mehr zu. Ein Chronist schreibt dazu: „ Die sieben Pfründner haben elende Lagerstätten, so dass sie sich nur in der allgemeinen Pfründestube vor Kälte schützen können.“

1826 wurde dann aber das Spital aus Mitteln der Marktkasse umgebaut. Auch hier berichtet uns ein Chronist: „ Die gemeinschaftliche Pfründestube verschwand, sowie die kalten und dem Alter nicht angepassten Lagerstätten. Anstatt dieser befinden sich nun in dem Gebäude 8 helle freundliche, heizbare Zimmerchen, so dass jeder Pfründner eigens wohnen und in dem erwärmten Zimmerchen schlafen kann.“

Die Stiftung löste sich auf und das Spital ging in das Eigentum der Marktgemeinde Hohenwart über. Gerade in der Nachkriegszeit war Wohnraum gefragt. Mietwohnungen wie heute, gab es so gut wie nicht. Die Räume wurden bis in die 70iger Jahre vermietet, bevor 1979 eine Hohenwarter Ärztin das Spital erwarb und mit dem im Gemeindeeigentum verbleibenden Torbogen renovierte.


Zur Person des Johann Winkler von Ernst Petz

Viel wissen wir nicht über die Person des Johann Winkler. Bekannt sind seine großzügigen Stiftungen, die in einem Stiftungsbrief von 1525 festgehalten wurden. Auch die Rechnungsbücher des Spitals nennen nur seinen Namen und Stand.

Winkler

Sicherlich sind dem Kirchgänger die zwei Steintafeln zwischen den beiden linken Seitenaltären in der Marktkirche schon aufgefallen. Hier fand Johann Winkler, nicht weit von seinem Spital entfernt, seine letzte Ruhestätte

Johann Winkler

Die obere dunkelrote Marmorblatte zeigt Christus im fliegenden Gewande, in der linken die Auferstehungsfahne. Danach folgt die Inschrift:
„Der ehrwürdige und hochgelehrte Herr Johann Winkler, geistlicher Rechte Doktor, so etwa Chorherr zu S. Moritz auch zu S. Peter in Augsburg und Stifter des hiesigen Spitales gewest, ist gestorben den 22. November 1549 und hier begraben. Des Sele Gott genad. Amen.“ Über das Geburtsdatum von Winkler ist leider nichts bekannt.

Rahmen

Unter der Gedenktafel befindet sich ein eine weitere Steintafel aus rotem Sandstein. Aus dem Nachlass des Heimatforschers Werner Vitzthum (verst.2005) geht folgender Beschrieb der Tafel hervor:

„Die untere aus rotem Sandstein (60cm breit und 120cm hoch) enthält im Basrelief das Winklersche Wappen. Unter einem Tudorbogen ist eingemeißelt ein großer Kelch, der auf dem Wappenschild steht. Das Wappenschild zeigt den Winkel mit der fünfblättrigen heraldischen Rose. Die fünfblättrige Rose ist das Siegel der Verschwiegenheit, des Beichtgeheimnisses.“


Die Spitalrechnungen von Ernst Petz

Im Marktarchiv Hohenwart werden zahlreiche Originalbelege der Stiftung aufbewahrt. Die Stiftung wurde laufend von 2 Herren des Inneren und Äußeren Rates überwacht. 1643 waren es die Hohenwarter Christoph Redl für den Inneren Rat und Jakob Jörg Müller für den Äußeren Rat die beauftragt waren alle Einnahmen und Ausgaben zu überprüfen.

Spitalrechnung

Der Einband des abgebildeten Rechnungsbuches aus dem Jahre 1643 wurde aus alten Kirchenbüchern hergestellt.

Akribisch sind in den Rechnungsbüchern sämtliche Einnahmen und Ausgaben der Spitalstiftung aufgeführt. Waren die Einnahmen in der Anfangszeit der Stiftung noch hauptsächlich Pachten und Abgaben aus den von Winkler erworbenen Besitztümern, finden wir im 18. Jahrhundert auch Zinseinnahmen aus Schuldverschreibungen an Hohenwarter Bürger. Die Spitalbewohner erhielten wöchentlich eine Unterstützung von 24 Kreuzer. Auch für die Beerdigungen kam die Stiftung auf. Wie spartanisch die Bewohner lebten, zeigt uns die Vermögensaufstellung von 1786. In den Zimmern befand sich ein holzgeschnitztes Kreuz, 1 Stuhl und 1 Bett. Es gab eine gemeinsame Badestube und einen gemeinsamen Aufenthaltsraum, der als einziger beheizt werden konnte.

Die erste Feuerwehrspritze für Hohenwart wurde 1784 übrigens auch aus Spitalmitteln finanziert. Kurfürst Carl Theodor genehmigte dazu erst 400 Gulden und später weitere 180 Gulden. Joseph Eberle (Bürgermeister von 1841 bis 1853) verfasste 1846 eine Chronik von Hohenwart. Er schreibt darin: „…..angefertigt von dem Kupferschmid Joseph Perzl aus Landshut auf die Summe von 400 Gulden“. Es kommen dann noch lederne Schläuche und sonstige Ausgaben mit 80 Gulden und 27 Kreuzer dazu. Es folgt dann in der Kostenaufstellung ein weiterer interessanter Hinweis: „ die Herstellung der Remise, in welcher die Maschine aufbewahrt und untergebracht wurde kostete 59 Gulden und 29 Cent“. Es gibt dazu auch noch eine Rechnung, die im Original im Marktarchiv aufbewahrt wird. Im Archiv finden wir auch den Hinweis, dass das das Requisitenhäuschen am Spital angebaut wurde. Wo sich heute die Garagen beim Spital befinden, stand also das erste „Feuerwehrgerätehaus“ von Hohenwart.

Joseph Eberle lobt in seiner Chronik diese Ausgaben und schreibt dazu: „demnach beweiset sich diese milde Stiftung allenthalben als eine außerordentliche Wohltat für den Markt Hohenwart“.

Ein späterer Chronist (Chronik des Benefiziaten Bernhard Haas, herausgegeben 1924) sieht diese Ausgaben aber kritischer.

Er schreibt dazu in seiner Chronik: “lauter höchst merkwürdige und zweifelhafte Verwendungen des Stiftungskapitals“.

Zum Schluss noch das Titelblatt von 1786. Ein kleines Kunstwerk diese Spitalrechnung des „churfürstlichen Markts Hochenwarth“

Im ersten Absatz wird auf die Stiftung von 1525 hingewiesen. Im zweiten Absatz werden zwei Ratsherren als Ober- und Unterverwalter zur Überwachung der Rechnung bestimmt.

Rechnungsbuch

Die Kirchen des alten Marktes Hohenwart und ihre Geschichte von Ernst Petz

Schon so manches Missverständnis gab es bei der Nennung der Hohenwarter Kirchen. Klosterkirche, Pfarrkirche und Marktkirche werden oft falsch zugeordnet und auch falsch benannt. In einigen Veröffentlichungen las ich Klosterkirche unter dem Bild der Pfarrkirche und mancher Fremder stand vor der Marktkirche in Hohenwart, wobei der angekündigte Gottesdienst oben auf dem Berg in der Hohenwarter Pfarrkirche stattfand. Zu den Kirchen der St. Georg`s Stiftung gehört im Übrigen auch noch die St. Nikolaus Kapelle in Schenkenau. In verschiedenen Veröffentlichungen wird sie auch als Schlosskapelle zitiert.

Die Bedeutung der einzelnen Kirchen kann nur im Zusammenhang mit der Hohenwarter Geschichte erklärt werden.


Kirchen

Der kolorierte Merian Stich zeigt Hohenwart Mitte des 17. Jahrhunderts mit seinen zwei Kirchen.

Von einer stattlichen Wehrmauer und von einem Schutzgraben umgeben liegt Hohenwart unten im Paartal. Oben auf dem Berg sehen wir das stattliche Benediktinerinnen Kloster. Doch schon weit vor Entstehung dieses Kupferstiches beginnt die Geschichte von Hohenwart und seiner Kirchen.

Bis ins 11. Jahrhundert stand eine stattliche Burg oben auf dem Berg. Bis nach Bozen reichten die Besitztümer der Hohenwarter Grafen um das Jahr 1000. Ortulf, der letzte Graf von Hohenwart, gründete mit seiner Schwester Wilitrudis im 11. Jahrhundert das Benediktinerinnen Kloster Hohenwart. Das genaue Datum dazu ist nicht bekannt. Belegt dagegen ist aber, dass Bischof Embricho von Augsburg am 13.05.1074 die erste Klosterkirche einweihte.

Die Wiege von Hohenwart stand eindeutig oben auf dem Berg. Um die Burg und später um das Kloster entstand eine kleine Ansiedlung. Die Burgherren gaben den Menschen Schutz und wo ein Kloster war, gab es auch Arbeit. Die Marktrechte gehen auf das 14. Jahrhundert zurück und beziehen sich eindeutig auf Kloster und Siedlung oben auf dem Berg. Unten im Paartal gab es jedoch auch schon einige Häuser die zum Kloster gehörten. Gerber, Müller und Fischer waren vom Wasser der Paar abhängig und wohnten im Tal mit ihren Familien. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs die Siedlung stetig an. Aus zwei Urkunden der Jahre 1409 und 1410 geht hervor, dass die Bürger von Hohenwart Freiheiten und Rechte für ihren neu errichteten Markt erhielten.

In diese Zeit dürfte auch die Erbauung der Marktkirche gefallen sein.



Marktkirche Mariä Verkündigung

Mit der Ansiedlung im Paartal und den erworbenen Freiheitsrechten (1409/1410) dürfte auch der Bau einer Kirche einhergegangen sein.

In alten Aufzeichnungen lesen wir von der Kapelle unserer lieben Frau. Ein genaues Datum der Erbauung ist leider nicht bekannt. Die ältesteDatierung1411 finden wir auf der kleinen Sterbeglocke.

Marktkirche

Einen sehr hilfreichen Hinweis auf die Erbauung und vor allen Dingen auf die Erbauer können wir in der päpstlichen Bulle von 1482 nachlesen. Hier steht unter anderem: „Wenn man aber beschließen und anordnen würde, dass in der Kapelle, welche Bürgermeister und Ratsherren und Gemeinde schon lange ganz stattlich erbauet haben…“

Dieser Satz in der Urkunde stellt hiermit drei Dinge klar:


1. Weit vor 1482 liegt das Datum der Erbauung.

2. Die Hohenwarter Bürger waren für den Bau verantwortlich.

3. Es handelt sich um einen größeren (stattlichen) Bau.


Verwirrung könnte bei dem ganzen Sachverhalt allerdings das Wort Kapelle mit sich bringen. Kleine Weg-, Feld- oder Hofkapellen gab und gibt es in unserer Gegend in großer Anzahl. Bei der „Kapelle unserer lieben Frau“ sprechen wir aber von Anfang an, von einem stattlichen Bau. Die Bezeichnung Kapelle bezieht sich nicht auf den Bau sondern auf das Kirchenrecht.

Glocke

Die älteste bekannte Darstellung vom Markt Hohenwart

Ausschnitt aus einer Karte (um 1500) Original befindet sich im Hauptstaatsarchiv München.

Sehr schön zu erkennen auf der Karte Hohenwart mit seinen Toren, der Wehrmauer und der Kirche. Am linken Bildrand Müller und Fischer an der Paar.


Marktkirche Mariä Verkündigung - Die Rechte der „Kapelle unserer lieben Frau“

Die Hohenwarter Bürger waren stolz auf ihre Kirche. Mit der Kirche wollten sie auch mehr Unabhängigkeit gegenüber dem Benediktinerinnen Kloster erreichen. Benefiziat Haas schreibt dazu in seiner Chronik: „ Neuhohenwart die jugendstolze, selbstbewusste Tochter hätte sich am liebsten gleich auch in kirchlich-religiöser Hinsicht freigemacht von der Mutter auf dem Berge“.

Aber das war nicht so einfach. Sie mussten sich ihre Kirchenrechte erstreiten. Der Kaplan übte zum Anfang recht selbstherrlich seine Rechte aus. Er wurde von den Hohenwartern auch finanziell großzügig ausgestattet. In einer Urkunde von 1593 steht zu lesen: „ Hatte einst der Kapellan an der Marktkirche ein Frühmeß-Haus dabei ein Städtl und Garten. Dem Kapellan hat auch gehert der Hof in Kaltenthalle, etliche Zehent Fleckhlein, Aecker und anderes Enliches und jetzt der Kürchenstieft“.

1593 ging das Vermögen somit in die Kirchenstiftung über. Doch von Beginn an war der Kaplan (einst hatte der Kapellan…) wirtschaftlich gut gestellt. 1456 gab es aber den ersten großen Rückschlag. Das Ordinariat verweist die noch junge Marktgemeinde in ihre Schranken. Am 26. Februar 1456 ergeht ein Schreiben mit folgendem Inhalt: „Der Kapellan an der Kapelle unserer lieben Frau sei dem Pfarrer auf dem Klosterberge untergeordnet. Er dürfe weder Wasser weihen, noch predigen, Feste verkünden usw.“ Auch die Beerdigungen fanden weiter auf dem Berge statt. Somit war es auch keine vollwertige Kirche sondern eben nur eine Kapelle, trotz ihrer doch recht stattlichen Größe.

Staatsarchiv

Über den Häusern sind in Kurzschrift die Hausnamen angegeben.

Der Name Kapellenstraße erinnert noch heute an den alten Status der Marktkirche. So mancher Hohenwarter geht noch heute „in Koppegass hinta“. Als Kapellen Gasse wurde sie noch amtlich im Urkataster von 1810 und in der Brandkarte des Bürgermeister Eberle von 1840 ausgewiesen

Marktplatz

Marktkirche Mariä Verkündigung - Die Rechte der „Kapelle unserer lieben Frau“

Der Kaplan (später Benefiziat) von Hohenwart wurde 1456 auch dazu verpflichtet dem Pfarrer auf dem Berge in Notfällen in Bezug auf die Administration der Sakramente zu assistieren. Alle übrigen Funktionen beruhen auf ein Übereinkommen zwischen ihm (Kaplan) dem Pfarrer und der Gemeinde Hohenwart gegen ein bestimmtes Honorar.

Der Markt Hohenwart gab sich aber mit dieser Entscheidung nicht zufrieden und erhob Einspruch. In einer päpstlichen Bulle (= Urkunde die eine wichtige Entscheidungen des Papstes verkündet) wurde von Papst Sixtus IV (Papst von 1471 bis 1484) zugunsten der Marktkirche entschieden.

Die in Latein verfasste Urkunde vom 14. Mai 1482 wird nachfolgend in Teilauszügen wiedergegeben. Die Übersetzung ins Deutsche erfolgte 1845 von Pfarrer Huber aus Deimhausen, später Dekan in Hohenried. An den nachfolgenden Texten aus der Urkunde wurden keine Veränderungen vorgenommen:

„Die wohlweislich uns von Seite der geliebten Söhne, Bürgermeister Rathsherrn und der Gemeinde des Marktes Hohenwart Augsburger Bisthums gelegen, gehörig zur Mainzer Provinz vor kurzem vorgetragene Bitte enthielt:

daß ihre Pfarrkirche, bei welcher zunächst auch der Pfarrer seine Wohnung, außer dem Markte sich befindet, auf einem Berge, bei welchem ein Nonnenkloster vom Orden des heiligen Benedikt erbaut ist, daßselbe vom Markt selbst weit entlegen, und wegen solcher Entfernung, und dann wegen mühsamen Berg-Steigens, und wegen Austreten des Flußwassers dann bei Schnee und Eis, daher bei Winterszeit besonders, vorzüglich für alte und gebrechliche Leute aus diesem Markte der Besuch der Pfarrkirche erschwert sei.“


Es folgen nach dieser Begründung in der Urkunde dann die Forderungen der Marktgemeinde. Diese sind dann so gut wie alle übernommen worden. Folgende Rechte wurden demnach zugesagt:

„Wir die Wir das Heil der Seelen mit gerechtem Verlangen fördern möchten, darum solcher Bitte geneigt, beschließen demnach und ordnen an aus apostolischer Vollmacht und in Kraft des Gegenwärtigen:

daß in genannter Kapelle ein Baptisterium mit hl. Taufwasser –zum Taufen der Neugeborenen- und zunächst an selber an einem hiezu bequemen Orte ein Friedhof zur Beerdigung der Leichname der Dahingeschiedenen durch mehrgenannte Bürgermeister, Rathsherrn und Bürgerschaft errichtet werden können, und daß auch der Friedhof durch was immer für einen katholischen Geistlichen benediziert werden darf, daß hernach fort in dieser Kapelle das Sakrament der Eucharistie und daß hl. Öl mit gebührender Ehrfurcht bewahrt, und selbe so oft es nöthig sein wird, durch genannten zur Zeit anwesenden Kapellan, dem Bürgermeister, den Rathsherren und andern Personen aus dieser Marktgemeinde gespendet werden, daß ferner eben derselbe Kapellanus an Sonn- und Festtagen Salz und Wasser weihen, das Wort Gottes predigen, das Evangelium auslegen, auch die einfallenden Feste und deren Vigilien verkünden, daß allgemeinde Bekenntniß der Sünden sprechen und die Beicht der Kranken der vom Alter belastete, und anderer Leute, welche ihm gerne Beichten wollen, anhören, und dieselben, jedoch nur in solchen Fällen, welche dem vorhin genannten Pfarrer gestattet sind, lossprechen, auch die Leichname der Verstorbenen in dabei befindlichen Friedhofe beerdigen, ferner Ehen in benannter Kapelle einsegnen.“

Nach dieser Urkunde erhielt somit der Kaplan alle pfarrlichen Rechte und das mit Nachdruck wenn wir noch den Schluss der Urkunde lesen:

„Durchaus Niemanden sei daher erlaubt, gegenwärtige Urkunde und diese unsere Verfügung auf Anordnung zu verletzen und mit vermessenem Erkühnen derselben entgegen zu handeln.

Wenn aber Jemand sich herausnehmen würde, dieses zu vollführen, der wisse, daß er das Mißfallen des allmächtigen Gottes und der seligen Apostel Petrus und Paulus auf sich lade.“

Urkunde

Kopie aus der Chronik von Andreas Grünwald (Benefiziat in Hohenwart von 1864 bis 1899) verfasst um 1877


Marktkirche Mariä Verkündigung Die Rechte der „Kapelle unserer lieben Frau“

Die Kirchenrechte für die Marktkirche aus der päpstlichen Urkunde von 1482 waren unumgänglich festgeschrieben.

Einige Jahre danach nahm aber die Äbtissin Barbara Hinzinger den Streit wieder auf. Benefiziat Haas schreibt dazu in seiner Chronik:

„Man stritt und kam schließlich zu einem Vergleich im Jahre 1487, der so schwach oder stark war, dass so ziemlich alles beim Alten blieb und der Kaplan weiterhin seine Vorrechte ausübte.“

1582 wandte sich die Äbtissin Barbara Brenzinger gegen einen Entscheid des Papstes Klemens VII vom 26. November 1523 (Papst von 1523 bis 1534). Dieser besagte unter anderem, dass das Einkommen des Klosters mit der Pfarrkirche uniert (= vereinigt) wird. Das wiederum schmälerte erheblich die Kasse des Klosters. Der Entscheid wurde zurückgenommen.

Mittlerweile wurden die Mittel zur Haltung eines Kaplans an der Marktkirche immer unzureichender. Die Stelle konnte nicht mehr gehalten werden und musste vom Pfarrer vikariiert (= vertreten) werden. Dazu hielt er sich noch einen zweiten Kaplan.

1660 kam schließlich ein Abkommen zwischen Markt und Berg zustande, dass im Wesentlichen bis heute Bestand hat. Am 10. Oktober 1874 wurde das Rechtsverhältnis zwischen Pfarr- und Marktkirche oberhirtlich endgültig geregelt.

Beim großen Kloster- und Kirchenbrand von 1895 wurde die Forderung laut, dass die Pfarrkirche runter zum Markt kommen sollte. Aber die Partei um den damaligen Pfarrer Josef Fischer (Pfarrer in Hohenwart von 1892 bis 1921) behielt die Oberhand und 1903 wurde die neue Pfarrkirche auf dem Berg eingeweiht.

Die Marktkirche hatte zwar ihre kirchlichen Rechte blieb aber Filialkirche bis zum heutigen Tage.

Klosterkirche

Stich nach Michael Wening. Hohenwart um 1700. Wie am Turm zu erkennen ist, war die Pfarrkirche bereits barockisiert. In die Zeit um 1700 fiel auch die barockisierung der Marktkirche (Bericht folgt). Die Marktkirche behielt jedoch ihren gotischen Spitzturm bei.


Marktkirche Mariä Verkündigung - Baugeschichte

Alte Urkunden, Schriftstücke und seit einigen Jahren auch Grabungsberichte und Dokumentationen (wurden im Rahmen der jüngsten Renovierung der Marktkirche erstellt) geben uns Auskunft über die Baugeschichte der Hohenwarter Marktkirche.

Marktkirche

Die Marktkirche und das Markttor sind wohl die ältesten Gebäude von Hohenwart. Turm und Chor der Kirche gehen noch auf die Gründungszeit des Marktes unten im Tal zurück. Erbaut worden sein, dürfte die Kirche mit der Neuansiedlung im Paartal, Ende des 14. Anfang des 15. Jahrhundert. In den Jahren 1409 und 1410 belegen Urkunden die Rechte des Marktes an der neuerbauten Stelle

Dazu passt auch die Datierung 1411 auf der kleinen Sterbeglocke. Bei der Sanierung des Turmes wurden vom Dachstuhl auch Holzproben zur Jahresbestimmung entnommen. Im Gutachten aus dem Jahre 2019 wird aber einschränkend darauf hingewiesen, dass in zurückliegender Zeit viele Ausbesserungen stattgefunden haben.

Das Ergebnis trotzdem aber sehr interessant. Alle 8 Proben konnten sicher bestimmt werden. Laut Gutachten zeigen alle 6 Entnahmen aus unterschiedlichen Bereichen des originalen Turm-Dachwerks (Fichtenholz) eine Winter-Waldkante 1508. Die gebeilten Hölzer sind demnach im Winter 1508/09 eingeschlagen worden.

Die gesägten, offensichtlichen Reparaturhölzer, die im westlichen Giebel entnommen wurden (Fichtenholz) zeugen von einer Reparaturphase im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. Beide Hölzer zeigen eine Winter-Waldkante 1819, sie waren demzufolge im Winter 1819/1820 gefällt worden.

Der Grabungsbericht gibt im Übrigen auch eindeutig Auskunft zu einem Friedhof bei der Markkirche.

Schriftzeugnisse aus der Zeit des 30 jährigen Krieges weisen darauf hin, dass Beerdigungen an der „Kapelle unserer lieben Frau“ also an der heutigen Marktkirche stattfanden. Der offizielle Friedhof von Hohenwart war zwar bis 1862 oben auf dem Berg. Bei Kriegszeiten fanden Bestattungen aber bei der Marktkirche statt. Der Grabungsbericht aus dem Jahre 2017 belegt nun mit seinen Funden eindeutig, dass sich an der Nordseite der Kirche ein Friedhof befunden hat.


Baugeschichte

Große bauliche Änderungen an der Marktkirche fanden im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts statt. Die gotische Kirche wurde barockisiert. Hier helfen uns wieder die durchgeführten Untersuchungen während der Sanierung weiter.

So wurde um 1730 das nördliche Seitenschiff angebaut und eine Decke eingezogen. Das Holz für die durchgeführten Baumaßnahmen wurde laut Gutachten im Sommer 1727 und im Winter 1728 auf 1729 gefällt. Außerdem fand man an einem Holzbalken noch die Datierung 1730. Es wurde ausschließlich Fichtenholz verwendet.

Die heutige Ausmalung müsste nach 1730 entstanden sein. Hierzu fehlen leider die Belege. Die Marienbilder werden in den alten Chroniken dem Maler Martin Kraus zugeschrieben. Ein im Archiv des Marktes Hohenwart befindliches Manuskript (nach 1945) sagt, dass die Fresken Immaculata (lat.= die Unbefleckte) und Maria Himmelfahrt die Signatur trugen: „Martin Kraus pinxit 1730“. Bei der Restaurierung 1945 wurden diese übermalen. Bei dem Fresko Maria Himmelfahrt und Krönung sind zwei neuzeitliche Buchstaben M.K. angebracht, die wohl noch auf Martin Kraus hinweisen.

 
 
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